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Warum kochen wir?

Naja, um etwas zu essen zu haben, werden Sie antworten. So banal, so richtig. Jedoch würde ich zu diesem Thema keinen Newsletter schreiben, wenn ich nicht ein paar Hintergedanken hegen würde.

Wenn ich durch den Supermarkt gehe, entdecke ich einen Großteil der Lebensmittel bereits vorbereitet, so dass diese nur erwärmt werden müssen. Kann man hier schon vom Kochen reden? Natürlich könnte man es als kreativen Akt in der Küche sehen, die Fertigpizza mit doppelt Käse zu belegen. Doch siehe da, selbst diese Variante gibt es schon als Tiefkühlpizza mit besonders viel Käse.

Ernährung und daraus resultierend natürlich das Kochen ist omnipräsent. Kein mediales Format, in dem es nicht mindestens einmal am Tag ums Essen geht. Da gibt es Ernährungstipps, Rezeptempfehlungen und natürlich die passenden Kochbücher dazu. Menschen kaufen sich diese, sie wollen schließlich das Beste für sich und ihre Familien. Die vielversprechenden Titel unzähliger Kochbücher versprechen tolle Genüsse, Gesundheit, Fitness bis hin zu besserem Haarwuchs. Die staunenden Leser fertigen sich dann den Einkaufszettel, versuchen die oft exotischen Zutatenempfehlungen einzukaufen, um dann das Rezept akribisch nachzukochen. Schließlich versprechen die beistehenden Fotos ein sensationelles Gericht. Doch oft endet dieses Vorhaben mit einer Enttäuschung, weil das Gericht einfach nicht so gelingen will, wie es das Foto darstellt. Resigniert ist das Fazit: Ich kann nicht kochen. Fortschrittlichere Küchenmeister sind da erfahrener, robuster und wagen es sogar, ein wenig von den Vorgaben abzuweichen. Und dann gibt es natürlich die großen Küchenmeister/innen, die die hohe Kunst des Kochens zelebrieren (natürlich gibt es auch von ihnen die entsprechenden Kochbücher) in ihren Restaurants, in denen sie für viel Geld dem staunenden Gast bis ins Groteske gestylte Kreationen darreichen. Auch hier gibt es zum Teil ganze Kurse (oft auch sehr teuer), die diesen Vorbildern nacheifern, nachkochen.

Doch letztendlich wird hier ebenfalls "nur" ein Lebensmittel zubereitet. Kochen als Grundlage zur Schaffung eines für uns verträglichen, nährenden und bestenfalls wohlschmeckenden Lebensmittels. Nicht alles in der Natur ist für uns ewig hungrige Menschen zum Verzehr geeignet. Bestenfalls verursacht es Unwohlsein, schlimmstenfalls ist es tödlich. Nehmen Sie die Lektine in den Hülsenfrüchten. Dies sind biologisch aktive Proteine, die die Pflanze als Fraßgift bildet, um ihren Nachwuchs zu schützen. Erst durch das Kochen, idealerweise durch Zusatz von Säure (Essig, Zitronensaft), werden diese Proteine so verändert, dass sie nicht mehr schädlich wirken. Ähnliches findet sich in den Samen der Getreide und den daraus resultierenden Mehlen. Hier werden die Fraßgifte durch Fermentationsprozesse (Sauerteigführung) abgebaut. Daher ist es praktischer, das Fleisch von Pflanzenfressern als Lebensmittel zu wählen. Die Tiere haben das "Pflanzenfutter" bereits erfolgreich verdaut und hochwertige Proteine daraus gebildet. Doch, mal abgesehen davon, dass das Tier vielleicht gar nicht geschlachtet werden möchte, ist das Muskelfleisch durch Kauen kaum mürbe zu machen. Wie soll unser Körper nun an die Nährstoffe kommen? Jedoch durch Kochen (Braten, Grillen, Backen) lösen sich die Muskelfasern, das Fleisch kann gut gekaut werden und die Nährstoffe stehen problemlos zur Verfügung.

Oder nehmen Sie die Milch - gerade bei diesem Lebensmittel sind immer wieder heftige Polarisierungen zu beobachten. Milch gehört den Kälbchen und nicht den Menschen, pasteurisierte Milch ist wertlos, noch wertloser die H-Milch. Schauen wir einmal sachlich darauf. Direkt aus dem Euter der Kuh beginnt, je nach hygienischem Aufwand, die Kontamination der Milch mit fremder Mikrobiologie. Diese kommt aus der Umgebung, aber auch von der Außenseite des Euters. Das können einerseits harmlose Bakterien sein, aber durchaus auch für Menschen schädliche Keime. Diese wurden mit dem Pasteurisieren, also dem kurzen Erhitzen der Milch, eliminiert. Dies ist eine sehr wichtige Erfindung hin zum sicheren Lebensmittel. Es gibt diverse Untersuchungen, die belegen, dass die Milch dadurch nur marginal an Nährstoffen verliert. Auch bei der H-Milch, die keimfrei ist, bleiben die meisten wichtigen Nährstoffe wie hochwertige Proteine, Mineralstoffe und das Milchfett erhalten. Zudem muss H-Milch nicht gekühlt werden und ist lange sowie sicher haltbar. Und sie ist eine gute Grundlage für weitere gesunde Lebensmittel wie Joghurt oder Kefir, natürlich nur, wenn man in die Küche geht, und diese selber herstellt.

Und hier finde ich mich im Kochen wieder. Verstehen, was ich mit den Gaben der Natur machen muss, um ein hochwertiges Lebensmittel zu schaffen. Doch dazu muss man wieder Kochen im eigentlichen Sinne erlernen, seine Sensorik schulen, das Bevorraten betreiben, anfassen, riechen, schmecken. Das Nachmachen gelingt vielleicht bestenfalls, doch versteht der Nachmacher, was er da tut?

Viele Anregungen rund um das richtige Zuereiten von Lebensmitteln finden Sie in meinem neuen Buch: "Die Kraft einer erfolgreichen Ernährung" (Link auf der rechten Seite).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Appetit, eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Jahr 2026,

Ihr

Andreas Sommers