H-Milch

Liebe Brotbackfreunde,

Milch, genauer gesagt H-Milch, gehört für mich zu den wichtigen Zutaten, um Lebensmittel herzustellen. Darum kaufe ich immer einen ganzen Karton mit 12 Litern, damit ich einen Vorrat im Haus habe. Da kommt es schon mal vor, dass ich von Menschen, die mich als Ernährungsberater kennen, gefragt werde, wieso ich ausgerechnet H-Milch kaufe, die sei doch völlig tot. „Das hoffe ich doch sehr!“ entgegne ich meist darauf und, Sie ahnen es bereits, ernte ziemliches Unverständnis.

Das ist mit wenigen Worten auch nicht zu erklären, zumal durch die vermeintlichen „Besseresser-Szenen“ immer wieder die Aussagen geistern: Milch sei ja nicht für den Menschen gemacht sondern für die Kälber; Milch sei ja so hoch verarbeitet, dass sie nicht gesund isei bis hin zu solch wolkigen Aussagen, meist ohne wirkliche Grundlagen, schadstoffhaltig, krebserregend, usw. Wie kann es sein, dass ein über Jahrzehnte als gesund gepriesenes Produkt innerhalb weniger Jahre so in Verruf geraten ist?

Eine Frage, die ich in meinen Vorträgen und Seminaren oft stelle ist: „Wie lange trinken wir Menschen schon Milch?“ Die Antworten fallen immer sehr unterschiedlich aus. 100 Jahre, 1000 oder sogar 10.000 Jahre. Gut, in den Volksgruppen, die früh auf Tierhaltung (Ziegen, Schafe, Kühe, Kamele, Yaks) gesetzt haben, wurde auch die Milch dieser Tiere genutzt. Vielleicht sogar teilweise getrunken. Aber regelmäßiger Milchkonsum als Getränk ist eigentlich erst seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich. Nach dem zweiten Weltkrieg gründete sich der Vorläufer der EU, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG. Um die Lebensmittelversorgung der europäischen Bevölkerung zu sichern, wurden Subventionen vor allem für die Landwirtschaft eingeführt. An die Folgen daraus kann ich mich noch als Kind (Jahrgang 1964) erinnern. Butterberge, Milchseen waren immer wieder Thema.

Mit der Phantasie eines Kindes versuchte ich mir diese natürlich ganz bildlich vorzustellen und fragte mich, wie es sich wohl in einem solchen See schwämme und ob ein Butterberg nicht in der Sonne schmelzen würde?

In der Folge wurden große Werbekampagnen gestartet, z.B. „Milch macht müde Männer munter“. Die Milch wurde in die Schulen gebracht. Ich kann mich noch gut an die kleinen 0,25 l Dreiecke (eine neue schwedischen Erfindung, das Tetrapack) erinnern. Das brachte die Milch ganz neu ins Bewusstsein der Menschen. Die Butter hatte da weniger Glück - dank aggressiver Anti-Butter-Werbekampagnen eines großen Margarineherstellers. Nun stellte sich immer mehr heraus, dass es Menschen gab (und gibt), die die Milch nicht richtig verstoffwechseln können. Ihnen fehlt das Enzym Lactase, welches den Milchzucker in Einfachzucker spaltet und so erst für den menschlichen Organismus zugänglich macht. Die Laktoseintoleranz gehörte plötzlich zum bunten Reigen gefühlt immer vermehrt auftauchender Unverträglichkeiten und Allergien, die vermeintlich von Lebensmitteln ausgelöst werden.

Das Merkwürdige ist, dass bis zu ¾ der Menschheit dieses Enzym ab einen gewissen Alter nicht mehr bilden können. Kann man da noch von einer Unverträglichkeit sprechen? Natürlich nicht! Wir brauchen die Lactase nur so lange, wie wir mit Muttermilch gefüttert werden. Nur wenige Volksgruppen, die eine sehr lange (Kuh-) Hirtentradition haben, bilden dieses Enzym bis in hohe Alter. Da ich mit Ende 50 Milch noch gut verstoffwechseln kann, bin ich der genetische Unfall!

Und doch nutzen die Menschen die Milch von ihren Tieren seit über 10.000 Jahren. Milch ist verderblich, daher hat der Mensch gelernt sie so zu verarbeiten, dass sie zu einem haltbaren, bekömmlichen Lebensmittel wurde. Mikrobiologische Prozesse machen aus dem Rohstoff Milch Käse, Dickmilch, Skyr, Kefir, Joghurt und vieles mehr. Bei diesen Prozessen wird der Milchzucker abgebaut, und so ist es völlig uninteressant, ob der Genießer dieser Lebensmittel noch Lactase bilden kann oder nicht.

Zurück zur H-Milch: Ich nutze sie, um für meine Frau und mich den eigenen Joghurt zu bereiten, Kefir und Frischkäse, dabei entsteht ein weiteres sehr leckeres Lebensmittel, die Molke. Hier bin ich sehr froh, dass die H-Milch „tot“ ist. Ich arbeite ja mit meinen eigenen ausgesuchten Mikroben, da möchte ich keine anderen im Ausgangsprodukt haben. Die wichtigsten Stoffe für den Menschen sind hochwertige Proteine und Mineralstoffe wie das Kalzium. Diese bleiben bei einer derartigen Verarbeitung enthalten, und so bereite ich ein sehr gesundes, bekömmliches Lebensmittel. Nun könnte man natürlich frische Milch selber aufkochen, aber warum? Die H-Milch wird unmittelbar wenige Sekunden ultrahocherhitzt und gleich abgepackt. Jetzt ist die H-Milch lange haltbar. Sie braucht keine aufwendige Kühlung - weder beim Transport, Verkauf noch zuhause. Das macht die H-Milch auch noch sehr nachhaltig.

In einem meiner youtube Videos zeige ich wie man aus (H-) Milch erst Kefir und dann daraus den eigenen Frischkäse macht. Ganz einfach, ganz lecker. Den Link dorthin habe ich rechts in der Spalte hinterlegt.

Guten Appetit und bleibt gesund!

Andreas Sommers